Die Anfrage kommt diesmal von der Mütterberatungsstelle und betrifft eine ausländische Familie mit zwei Kindern im Alter von drei Jahren und von vier Monaten. Die Mutter hat eine schwere Zeit hinter sich, da sie im letzten Jahr ihr zweites Kind im Alter von vier Monaten verloren hat. Immer wieder kommt Trauer auf, und die Erinnerung an das verstorbene Kind ist immer wieder ein Thema, vor allem auch die Angst um den jetzt vier Monate alten Sohn.
Die Mutter ist 26 Jahre alt und lebt seit vielen Jahren in der Schweiz, spricht perfekt Dialekt und ist gut integriert. Sie lebt sehr verbunden mit ihrer Herkunftsfamilie, mit der sie sich immer wieder mal trifft oder die ihr ab und zu die Kinder hütet.
Mit ihrem zweiten Mann hat sie seit längerer Zeit heftigen Streit, und es ist auch schon zu Gewaltanwendungen gekommen. Aus diesem Grund hat sie den Gedanken der Trennung schon oft ausgesprochen. Sie ist bereits auch schon beim Friedensrichter gewesen, möchte aber ihrem Mann trotzdem nochmals eine Chance geben.
Die Begleitthemen in dieser Familie sind vielschichtig und betreffen vor allem das Kindeswohl der dreijährigen Tochter. Sie ist in der Sprachentwicklung erheblich im Rückstand, hat Mangelerscheinungen, die auf die unregelmässige Ernährungsweise zurückzuführen sind und kann kaum alleine spielen.
Die Mutter ist oft mit ihr überfordert und weiss einfach nicht, wie sie mit ihr umgehen soll. Das Mädchen und ich finden schnell Zugang zueinander, und obwohl das Mädchen kein Wort Deutsch spricht, verstehen wir uns auf Anhieb. Basteln, Spielen und Fingerverse gehören in jede Begleitstunde, und das Mädchen sowie die Mutter freuen sich auf die Begleitstunden.
Als erstes und zur Entlastung der Mutter suchen wir einen geeigneten Krippenplatz. Die Integration gelingt nicht ohne Probleme, denn das Mädchen ist oft krank und auch die Mutter ist immer am Anschlag.
Mehrmals muss bei dieser Familie Krisenintervention geleistet werden. Einerseits übernehme ich dann ganz praktisch die täglichen Haushaltarbeit und spiele mit den Kindern, anderseits führe ich auch Gespräche mit ihr und ihrem Mann zu Themen wie Verständnis für die momentane Befindlichkeit der Frau oder Mithilfe im Alltag.
Die Familie wohnt in einer 2-Zimmerwohnung. Da der Mann nachts arbeitet, muss er natürlich tagsüber schlafen. Dies erschwert die Wohnsituation für die Mutter und die Kinder und gibt immer wieder Anlass zu Streitigkeiten.
Die enge Zusammenarbeit mit dem Jugendsekretariat und der Sozialdienststelle läuft gut, und regelmässig finden Standortgespräche statt, in denen wir gemeinsame Ziele festlegen und die aktuelle Situation reflektieren.
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